caro137

Typisch Cheyenne

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Cheyenne kam mit 1,5 Jahren zu mir weil sie eine Gebärmutterentzündung hatte und die Besitzer sie Einschläfern lassen wollten "Einschläfern ist doch billiger als ne OP - und einen kranken Hund wollen wir nicht mehr haben."
Ursprünglich sollte sie nur 10-14 Tage bis zum Fäden ziehen und einer Neuvermittlung bei mir bleiben - jetzt sind über 12 Jahre draus geworden .

Cheyenne kannte nichts an Erziehung, hat aber den besten Charakter den man sich vorstellen kann.
Ein paar typische Erlebnisse mit ihr:


Zwei Wochen nach der OP durfte sie endlich mal ohne Leine laufen.
Ich hatte schon festgestellt, dass sie sehr verträglich mit anderen Hunden ist und war das erste Mal auf der Hundewiese.
Natürlich habe ich dort gleich ein paar nette Leute und Hunde getroffen mit denen Cheyenne ganz selbstverständlich herumlief, während wir HH uns beim gehen unterhielten.
Dabei behielt mich Cheyenne immer unauffällig im Blick und entfernte sich auch im Spiel nicht weiter als ca. 50 Meter. Als ich sie rief, kam sie vollkommen selbstverständlich mitten aus dem Spiel zu mir.
So vorbildlich, dass es eine andere HH zu dem Kommentar veranlaßte: "Ihr zwei seid aber ein eingespieltes Team, Du hast sie sicher von Welpe an" - ihr blieb der Mund offen stehen als ich antwortete "Nein, seit zwei Wochen, das ist der erste Freilauf".


Wir waren bei Bekannten zu einem Hoffest eingeladen. Dort im Dorf laufen alle Hunde frei rum und einige Gäste hatten ebenfalls ihre Hunde mitgebracht.
Auf einmal gerieten sich zwei von denen lautstark "in die Wolle". Bevor die Besitzer sich von den Biertischen "herausarbeiten" konnten oder sonst jemand was unternahm, ging Cheyenne (die in der Nähe der beiden Streithähne geschnüffelt hatte) auf diese zu.
Das geschah vollkommen entspannt und ruhig - es war absolut klar, dass sie nicht mitstreiten wollte.
Die beiden schauten auf, ließen voneinander ab und Cheyenne ging ein paar Schritte weiter, bis sie genau dazwischen stand.
Sie schaute beide kurz an, die beiden verzogen sich in unterschiedliche Richtungen und Cheyenne schnüffelte dort weiter wo sie vorher war.
Das war so auffällig, dass mich noch mehrere Leute auf dieses Verhalten ansprachen.
Ich habe sie nie absichtlich dazugelassen wenn es eine Streiterei unter Hunden gab, aber wenn sie zufällig dabei war lief es sehr oft ähnlich ab.


Nach einem Agilitytraining (just for fun) durften die Hunde meist noch frei auf dem Platz laufen, während wir HH uns noch etwas unterhielten oder Geräte abbauten.
Eine Labbi-DSH-Hündin hatte bisher alle anderen durch Drohgebärden unter "ihre Fuchtel" gebracht.
Sie und Cheyenne hatten aber noch keinen direkten Kontakt gehabt.
Irgendwann kam sie aber auch auf Cheyenne zu, stellte sich mit gesträubtem Fell dicht daneben und fing an zu Grummeln und Knurren.
Cheyenne blieb einfach stehen - Ohren und Schwanz neutral bis leicht erhoben - und wartete ohne Regung ab.
Das dauerte gefühlte Ewigkeiten. Dann rannten die beiden los und spielten, wobei die Labbi-DSH-Mix-Hündin, die sonst allen anderen gegenüber immer sehr dominant auftrat mehrmals Unterwerfungsgesten zeigte.
Das alles ohne dass Cheyenne auch nur ein einziges Mal geknurrt o.ä. hat - sie hat einfach durch ihre ruhige, souveräne Ausstrahlung beeindruckt.


Auch unseren damaligen Vermieter hat sie wohl beeindruckt :
Wir wohnten in einer Dachgeschoßwohnung über den Vermietern und fuhren ohne Hund zum Einkaufen.
Als plötzlich ein Gewitter aufzog sah der Vermieter, dass die Dachfenster noch offenstanden und wollte sie schnell schließen.
Er dachte wir hätten Cheyenne mitgenommen - die lag allerdings im Wohnzimmer (wahrscheinlich auf dem Sofa).
Als er reinkam sah sie wohl keinen Grund direkt aufzustehen, als er sich aber in der Küche am Fenster zu schaffen machte ging sie doch nachschauen...
Als er sich umdreht steht sie regungs- und geräuschlos in der Küchentür und beobachtet einfach jede seiner Bewegungen.
Sie kannten sich aus Treppenhausbegegnungen, bei denen sie sich auch immer wedelnd streicheln ließ.
Aber in dieser Situation zeigte sie weder Freude noch Aggression oder Angst - lediglich neutrales Interesse.
Das allerdings wirkte wesentlich beeindruckender als jedes Knurren und Bellen.
Der Vermieter traute sich nicht noch irgendetwas in der Wohnung anzufassen und "schlich" sich auf direktem Weg an ihr vorbei zur Wohnungstür raus während er ihr erklärte, dass sie ihn doch vom Treppenhaus kennt.


Wesenstest (der 2. oder 3. ...)
Cheyenne soll ohne Kommando einfach an der Leine neben mir bleiben, während verschiedene Bedrohungen und Reize vorbeilaufen (Kinderwagen, Strassenkehrer, "Betrunkene", andere Hunde, Fahrräder) .
Das alles lässt sie gelangweilt über sich ergehen. Als dann ein Typ mit einem Baseballschläger bedrohlich auf uns zugeht beobachtet sie die Situation auch lange Zeit ganz gelassen. Erst als er sehr nahe kommt und sie von mir kein Kommando bekommt, stellt sie sich vor mich und zeigt durch ihre ganze Haltung "Bis hierher und nicht weiter" -aber völlig unaufgeregt.
Der Polizeihundführer, der die Prüfung abnimmt ist fasziniert wie gelassen und selbstbewusst sie reagiert und gibt zu, dass er keiner seiner Hunde diese Charakterstärke besitzen würde.
Beim zweiten Teil der Prüfung muss sie allein -angebunden am Laternenpfahl - diese Reizsituationen über sich ergehen lassen.
Ich will sie eigentlich ins Platz legen, da der Boden aber etwas feucht ist hört sie nicht aufs erste Kommando - also verzichte ich auf Diskussionen mit ihr (hätte blöd ausgesehen) und lasse sie einfach stehen.
Wieder kommen Kinderwagen, Kehrer, Betrunkener, Hund, Schlägertyp.... diesmal hat sie niemanden zu verteidigen und bleibt komplett ruhig oder geht mal "höflich" nen Schritt aus dem Weg, wenn einer sehr nah rankommt.
Als die letzte Person vorbeiläuft ist ihr endgültig langweilig geworden und sie legt sich entspannt und mit einem typischen "sind die jetzt endlich fertig mit dem Quatsch? "-Gesichtsausdruck hin - so hat sie dann doch noch "Platz" gemacht und ich kann sie "zur Belohnung" abholen.



Fortsetzung folgt

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Kommentare

  1. Avatar von Persilia
    was ich hier in diesem Forum von den alten Staffordshire-Damen lese (Chica war ja anscheinend genau so), zu denen meine Käthe ebenso gehört, da entdecke ich größte Gemeinsamkeiten, was die Charakterausstattung betrifft.
    Das bringt mich auf die Vermutung, dass diese alten Damen noch aus ganz guten (Zucht)Verhältnissen stammen, als man sie noch ganz legal züchten durfte.
    Die meißten jüngeren Staffordshire-Damen, die ich kenne, weisen diese Charaktereigenschaften nicht auf. Sie würden illegal verpaart und auf Profit hin verkauft. Dafür können sie nichts, doch ihre grundlegenden Stärken gehen so verloren.
    Käthe hat den Beinamen "Miss Eisennerven" und ich dachte stets, dass es von ihrer Vergangenheit auf der Straße (sie lebte bei Obdachlosen) zu zu schreiben sei. Doch glaube ich jetzt, wo ich etwas über Cheyenne kennen gelernt habe, dass es doch eine rassespezifische Charakterausstattung ist.
  2. Avatar von caro137
    Ja Cheyenne ist vom Charakter so, wie der ideale Amstaff sein sollte - einfach genial, souverän....ich denke auch dass die tollen Eigenschaften durch das Zuchtverbot kaputt gemacht werden/ wurden. "Nur" Ostimporte und Hinterhofvermehrer - ein Wunder, dass es trotzdem noch tolle Hunde dieser Rassen gibt.
    Aktualisiert: 25.02.2012 um 23:11 von caro137
  3. Avatar von Pommel
    Genau deswegen bin ich auch gegen ein Zuchtverbot! Das heizt den Markt nur an!